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Djü, djü, djü… Die Fabel vom Laubvogel

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Die Schriftstellerin Dorette Gloor hat aus aktuellem Anlass eine Fabel geschrieben. Gerne drucken wir sie an dieser Stelle ab. Mehr Ornithologisches zum Laubvogel (Phylloscopus sibilátrix) können Sie am Ende dieser Fabel lesen. Mehr zur Verfasserin auf ihrer Website. Viel Vergnügen.

Der Laubvogel

Die Tiere im Wald haben ihr eigenes System des Zusammenlebens. Dabei spielt die Weisheit der Eule und das Krächzen der Krähen eine wichtige Rolle. Beide verkünden auf Antrag der Vogelschar ihre gut abgewogenen Verordnungen für ein friedliches Zusammenleben.

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Eines Tages flog ein neuer Vogel in den Wald. Er konnte gar schön sein Morgenlied pfeifen, was die anderen Vögel erfreute. Ausserdem war er hilfsbereit und fröhlich. Er lud einige wichtige Vögel in sein Nest ein, wo er ihnen besonders dicke Würmer servierte. Er war ehrgeizig und schlau – eine gefährliche Mischung. Kurz er war schon nach kurzer Zeit äusserst beliebt.

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Eine Sonderdelegation flog zur weisen Eule, allerdings am Vormittag, wenn Eulen schlafen. Sie weckten sie unsanft und wollten erreichen, dass die intelligente Krähe als Urteilsverkünderin durch den Laubvogel ersetzt würde. Die Eule schüttelte unmutig den Kopf, meinte nur „mehr Schein als Sein“ und schlief wieder ein. Trotzdem wurde der Laubvogel zum neuen Urteilsverkünder erkoren.

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Als erstes befreundeten sich die Kuckucke mit ihm, wohlwissend, dass die anderen Vögel sich immer wieder beschweren würden, wenn die Kuckucke ihre Eier in fremde Nester ablegten, anstatt selber zu brüten. Auch die Elstern suchten Laubvogels Freundschaft. Sie sparten nicht mit Komplimenten und Geschenken.

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Einmal brachte eine Elster sogar einen Fingerring ins Nest, den sie eben aus einem Schlafzimmer gestohlen hatte. Sie hatte ja nichts mehr zu befürchten, denn der Laubvogel liebte Schmeicheleien und Geschenke. Aber der Laubvogel bekam nie genug. Er machte einen krummen Schnabel, wenn ihm seine Freunde nicht genug frische Köstlichkeiten lieferten.

Die geschwätzigen Spatzen wussten von geheimen Ausflügen in ein anderes Waldgebiet mit einem grossen, übelriechenden Sumpf. Was dort vor sich ging, kannte man nur von Gerüchten, aber ein anständiger Vogel verkehrte  besser nicht mit dieser Vogelart, die gleichermassen bewundert und gehasst wurde.

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Die anderen Vögel  wurden ärgerlich. Die kleinsten Vergehen bei ihnen wurden geahndet, aber die wirklichen Bösewichte trieben es immer wilder. Sie sandten wieder eine Delegation zur Eule, diesmal abends. Die Eule meinte nur: „Ich habe es ja gesagt“. Aber wer mag schon auf weise Ratschläge hören.

So mussten die Vögel selber sehen, wie sie das Problem lösten. Als erstes pfiffen sie nicht mehr beim Vorbeifliegen am Laubvogelnest, dann mieden sie die Nähe seiner Baumkrone. Schliesslich  komponierten sie  einen hässlichen Song. Alle Vögel des Waldes trällerten tagelang in allen Tonarten  „FifaFifa trallala..lallala.“

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Und die Moral von der Geschicht:  Sei ehrlich und überschätz dich nicht.

Dorette Gloor-Krayer

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Ornithologisches: Der Wald-Laubvogel Phylloscopus sibilátrix

In seinen rein grün-gelb-weißen Farben, an denen man ihn leicht unterscheiden kann, bildet der Waldlaubvogel eine Parallele zum Laubfrosch. Er singt gern auf den unteren kleinen Zweigen am Stamm der Waldbäume, und prächtig harmoniert seine Färbung mit dem jungen lichtgrünen Buchenlaub. Teils singt er im Sitzen, mit Vorliebe aber in schwebendem Gleitflug von Baum zu Baum. Mag der angenehme Eindruck teilweise an der Umgebung und an seiner zierlichen Gestalt liegen, jedenfalls hat sein Singflug, verglichen mit dem der Lerchen, Baumpieper, Grasmücken usw. etwas überaus Anmutiges und Leichtes. Name: „sibilatrix“*) heißt die Zischerin, die Pfeiferin, von der schwirrenden Stimme. Vorkommen: Auf dem Zuge überall, zur Brutzeit Waldvogel.

 Artmerkmal: Die reinen Farben, besonders an Kehle und Flügel. Größe: Etwas größer als die vorigen. Flügel 7,25— 7,85 cm; 10 g. Weibchen: Wie Männchen. Junge: Wie Alte. Lockton: „Hüid“ und „djü“ und „djü djü djü“. Gesang: „Ipp sipp sippsipp sirrrrr“, oft mit angehängtem „djü djü djü“, im Gleitflug von Baum zu Baum. Eier: 5—7, weißlich, ganz dicht braun gefleckt, Mai bis Juni, eine Brut. Nest : Kugelbau mit seitlicher Öffnung aus Halmen oder dürren Blättern, innen mit Halmen oder Haaren, nicht mit Federn ausgelegt**). Nistplatz: Auf dem Boden an lichten Stellen des Hochwaldes von Buchen, Eichen oder Nadelhölzern. Nahrung: Insekten (selten Beeren). Zug: April — August, September.(Aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat.)

Zugabe

Zum Kuckuck 

Eulen nach Athen tragen

Der Schuhschnabel

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